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Stichpunkte 1735 Ansiedlung als Röhrenmachermeister 1800 Umsiedlung nach Wunsiedel als Spengler und Röhrenmachermeister 1864 Christian, Johann gründen Spenglereibetrieb in der Unt. Nabburgergasse 1866 Mutter Kathrina und Georg und Peter geben das Geschäft in Wunsiedel auf und gründen in der oberen Nabburgergasse eine eigene Spenglerei.
Die Baumänner sind ursprünglich immer Handwerker gewesen. Die von Plauen aus um 1450 nach Eibenstock, um 1570 nach Schönheide, um 1715 nach Schönbrunn, um 1770 nach Wunsiedel und 1860 schließlich nach Amberg gekommen sind.
Angefangen bei Christian Baumann (1682-1761) waren sie in 5 Generationen Blechverarbeiter, zunächst Röhrenmachermeister, später Spengler gewesen. 1735 gründete er in Schönbrunn eine Werkstatt für für Röhren aus ausgehöhlten Baumstämmen. Verbunden durch Blechteile dienten diese dann als Wasserleitungen. Dieses Geschäft ging an Sohn Johann Christian und dann an dessen Sohn Michael über. Michaels Sohn siedelte nach Wunsiedel über und ließ sich als Spengler und Röhrenmacher nieder. Er fertigte erstmals auch reine Blechwaren wie einfache Geschirre und Öfen.
In der fünften Generation vererbte sich das Geschäft auf Johann Baumann 1808-1855, der Vater der Gründer der Amberger Fabrik. Der Betrieb wurde nach seinen Tod durch seine Witwe Katharina 1811-1877 weitergeführt. Von ihr gab es nur ein Bild im Hauptbüro, das Bild gibt es nicht mehr - aber noch ein Fotografie.

Der Betrieb hatte sich wohl vergrößert, da es in einer Industrieausstellung von 1858 im Sechsämterland (heutiger Landkreis Wunsiedel) heißt “Absatz in ganz Bayern, besonders Fürth. Nürnberg, Regensburg, Straubing”.
Die Situation änderte sich um 1860. 1848 wurde die Bahnverbindung “Hof-Bamberg-Nürnberg-München” fertig. 1859 wurde die Strecke Nürnberg-Amberg-Schwandorf-Regensburg in Betrieb genommen, während Wunsiedel keinen Anschluß erhalten hatte. Wunsiedel hatte damit einen wesentlichen Wettbewerbsnachteil wegen der höheren Kosten für den Transport der Waren. Historie zu Nürnberg-Fürth 1835: Eine Gesellschaft, aus angesehenen Kaufleuten und Beamten bestehend, erliess am 14.Mai 1833 eine Einladung zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Der Berechnung über den Ertrag lagen die Erfahrungen zu Grunde, die man in England mit der Manchester-Liverpool Bahn gemacht hatte. Man nahm an, dass die Jahres-Einnahmen 29,200, die Jahreskosten auf 12,800 Fl. steigen würden, so dass sich ein jährliches Mehr von 16,400 Fl., d.h. eine Verzinsung des Kapitals zu 12 ½ Procent ergeben würde. Die Opposition gegen diese Darstellung blieb nicht aus. Die Ausstellungen des königl. bayrischen Oberbergraths Ritters Joseph von Baader hatten wenigstens den Erfolg, dass man beschloss, Dampfkraft und Pferdekraft abwechselnd zu verwenden, so dass eine einzige Locomotive vorläufig genügen würde. Die Statuten der Gesellschaft wurden am 18. November 1833 entworfen, und am 19. Februar 1834 erfolgte die Königliche Bestätigung. Der Bau begann Anfang Mai 1835 und war bereits Ende September beendet, obgleich man viele Schwierigkeiten zu überwinden gehabt hatte, indem kein Expropriationsgesetz bestand, und die Schienen nicht leicht zu beschaffen waren. Die wirklichen Ausgaben betrugen 175,469 Gulden und überstiegen den Voranschlag von 140,000 Gulden um 35,469 Fl., eine Summe, die man späteren Erfahrungen gegenüber eine äusserst mässige nennen muss. Die Ergebnisse des ersten Rechnungsjahres (December 1835 bis December 1836) stellten sich überaus günstig. Die Einnahmen betrugen 59,980 Gulden, die Ausgaben 22,599, so dass man, nachdem man 3738 Fl. an den Reserve-Fonds abgegeben hatte, noch einen Ueberschuss von 33,643 Gulden zu vertheilen hatte, was auf die Actie von 100 Gulden eine Dividende von 19 Fl. abwarf.
Die Brüder Erhard und Christian gingen zu dieser Zeit auf Wanderschaft, wahrscheinlich mit dem Hintergedanken einen besseren Standort zu finden. Christian, der älteste Sohn, wanderte nach Amberg und ließ sich dort nieder. Einerseits hatte Amberg seit 1859 einen Eisenbahnanschluß, außerdem gab es eine Eisenhüttenindustrie, die Verarbeitung von Eisen ist schließlich sein Handwerk.
Am 27.4.1864 meldete Christian ein Gewerbe unter der Bezeichnung “Spengler” an. Drei Monate später holte er seinen Bruder Johann nach Amberg. Stadtmuseum steht das etwas anders: ”trat 1872 in die von den Brüdern gegründete Firma ein”. Im Amberger Tagblatt vom 19.9.1864 gab er die Eröffnung seines Spenglereibetriebs in der Unteren Nabburgergasse bekannt. 1865 suchte er bereits 6-8 Schwarzblecharbeiter “zum sofortigen Eintritt und für dauernd”. Dazu heisst es aus einer Karte im Heimatmuseum: “Er kam als erster der Familie 1864 von Wunsiedel nach Amberg und gründete ein Spenglergeschäft zuerst im Haus des Müllers Kraun (Giehrlhaus Lederergasse) dann im Hinterhaus des Eisenhändlers Kolb, dann (1865) arbeitete er zusammen mit seinen Brüdern in der oberen Nabburgergasse, dann (bis 1871) wieder selbstständig in der Schiffgasse (Haus m.d. Madonna), wo er schon 11 Gehilfen beschäftigte. 1862 gründete er mit seinen Brüdern die heutige Firma.”
Jetzt habe ich noch einen kopierten Brief vom März 1865 entdeckt. Zumindest seit 1865 war Erhard (30 Jahre alt) in Weiden und betrieb dort ebenfalls ein Eisengeschäft! Wahrscheinlich hat er den Brief an Christian (seit 1864 verheiratet) geschickt. Georg kam von Bayreuth - er war also noch nicht in Amberg. Der Brief bestätigt die obigen Angaben.
Weiden den 28 März 1865
Lieber Bruder und Schwägerin ! In deinem Brief vom 17.xxx erfahre ich daß du eine andere Logie gemiethet hast was mir auch Butzinger sagte, wenn deine Raum? auf einen schöneren Platz ist wünsche ich dir, daß dein Geschäft gut gehen soll. Ich dachte in Amberg müßte es Arbeit genug geben und Butzinger sagte mir auch daß du Wannen fortschickt. Ich habe immer sehr viele Arbeit jedoch sind die Einnahmen sehr schlecht. ich habe immer so viel zu zahlen, daß du dir keinen Begriff machst. denn daß Eisen und die Eisenwaren haben mir schon viel zu schaffen gemacht. Das Geschäft ging immer, leider von den hiesigen Kunden muß alles 2 oder 3 Jahre in Buch stehen Auch bin Willens mir bei ersten Bauzeit? einen Laden zu bauen. Georg ist bei mir gewesen wie er von Bayreuth zurückgekommen und wollte auch zu dir allein er konnte sich von den Mädeln nicht trennen bis Zeit wurde daß er nach Hause mußte 6 bis 10 solche Fräuleins hat er immer um sich gehabt und die Luder sind ganz vernarrt in Ihn bis um 11 bis 12 Uhr sind sie mit herum gezogen. In der Hoffnung daß ihr gesund seid was bei uns der Fall ist grüße ich bestens, dein lieber Erhard
Am unteren Briefrand: (schwer zu lesen..) Wenn ihr Zeit habt besucht uns einmal wir können bisher nichts verxxechen xx xx lege ich ein paar Jahre bei? deines? kleines Gut
Am 18.11.1865 gab die Mutter Katharina das Geschäft in Wunsiedel auf und zog mit den zwei verbliebenen Söhnen Georg und Peter nach Amberg. Zu Georg heisst es im Stadtmuseum: “Kam 1865 mit seinem Bruder Peter nach Amberg. 1872 Mitgründer der Firma Baumann” Sie gründete in der ehemaligen Gaststätte “Zum Schwan” in der Oberen Nabburgergasse eine eigene Spenglerei.
Beide Betriebe produzierten jetzt Bratröhren, Blechöfen, Ofenrohre und Küchengeschirre. Die Kunden waren “fast ausschließlich auswärtige Großhändler”. Diese Großhändler, oft selbst Spenglereien konzentrierten sich auf den Verkauf in Jahrmärkten und Messen und kauften zu den selbst hergestellten fremde Ware hinzu. Katharina meldete die Spenglerei erst 1869 offiziell an, obwohl sie vorher bereits Gewerbesteuer entrichtet hat. Sie erhielt eine Konzession zur “Fertigung von Schwarzblechwaren mit 6 Gehilfen”. Ein Blick in die Konzessionsverwaltung zeigt, daß die anderen Gewerbetreibenden keinen oder höchsten einen, selten zwei Gehilfen beschäftigten. Das heißt die beiden Spenglerbetriebe gehörten zu den größeren Werkstätten in Amberg. Interessant ist auch der Begriff Gehilfe und nicht Geselle - das heisst nämlich das die beiden Werkstätten nicht mehr innerhalb der Spenglerinnung agierten, dies war sicher erst durch die einsetzende Öffnung der Gewerbeordnung in Amberg möglich geworden.
Ein Grund für den Erfolg war wohl die Herstellung von Weißwaren. Weißwaren waren verzinnte Schwarzwaren. Schwarzwaren sind unbehandelte Blechartikel, die leicht verrosteten und den Speisegeschmack beeinträchtigten. Die Methode zur Verzinnung war geheim. So gibt es einen Vertrag 1870 mit dem beschäftigten Kupferschmied Them: bei 25 Gulden Strafe wurde es ihm verboten in “einen anderen beliebigen Geschäft Concurrenten der Baumann bezüglich der Arbeit, hauptsächlich der Verzinnerei in keiner Beziehung eine Anleitung zu geben”.
Der Absatz an Großhändler machte über kurz oder lang eine effektivere Produktionweise notwendig als die handwerklich geführte Werkstätte. Katharina gelang es am 9.8.1872 die drei Brüder zusammen zu vereinen in einer Blechwarenfabrik auf Teilhaberbasis “Gebrüder Baumann - Firma Johann Baumann’s Witwe”. Das weitere ist im Kapitel Emaillierwerke....
Randbemerkung: Der Turm der Martinskirche soll von den Baumann’s eingeblecht worden sein. Dies ist insofern erstaunlich, da sie die ersten Lutherischen waren und die Martinskirche ist katholisch. Ob es stimmt ? Inzwischen würde ich sagen nein, wohl kaum. Die beiden Geschäfte in Amberg hatten sich auf die Produktion von Gefäßen, Öfen usw. konzentriert, die per Händler vertrieben wurden. Eine Dachspenglerei ist was ganz anderes ...
Der Konfessionskonflikt zwischen den Einheimischen (katholisch) und den Zugezogenen (lutherisch) entwickelte sich zu einem laufenden Thema. 1895 waren etwa 2.500 Evangelische und 18.000 Katholische in Amberg. Ein besonders drastisches Beispiel erschien am 28. Dezember 1895 im "Regensburger Morgenblatt". Die Zeitung berichtete, daß eine katholische Frau mit ihrem Mann protestantisch getraut worden war, unter dem Versprechen, daß alle ihre Kinder in katholischem Glauben erzogen werden würden. Dies war nicht geschehen. Als die Frau im Sterben lag, verlangte der katholische Priester von ihr, sie "solle ihren Fehler, damit sie zum Empfang der Sterbesakramente zugelassen werden könne, dadurch gut machen, daß sie ihren Ehemann um die Zustimmung bitte, daß ihre Kinder nach den Gesetzen ihrer Kirche katholisch erzogen werden." Der Ehemann verweigerte dies aber in der Furcht, seine Arbeit in der Blechwarenfabrik zu verlieren. Die Frau starb kurze Zeit später und der Ehemann fragte nach, ob sie katholisch begraben werden könnte, was "selbstverständlich nach den Bestimmungen der katholischen Kirche verneint werden mußte.". Daß der Frau ein katholisches Begräbnis verweigert wurde, zeigt, wie verhärtet die konfessionellen Fronten zu dieser Zeit waren. Erst nach dem zweiten Weltkrieg mit den Flüchtlingen hat es sich endgültig verflüchtigt.
Die recherchierte Wahrheit über die Anfänge der Firma bis 1914 steht in der Facharbeit von Andrea Hanauer von 1979 (Andrea: wir werden dir ewig dankbar sein!). Klaus Haußmann hat 2000 eine Broschüre über die Gebrüder Baumann geschrieben mit Schwerpunkt: Produktion und Produkte. Susanne Häusler hat 1992 ihre Magister Arbeit “Zur Firmengeschichte der Emailfabrik Johann Baumann’s Witwe, Amberg mit 19 Jahrhundert” geschrieben (wissenschaftlich perfekt recherchiert). Der Stammbaum geht im Moment (dabei wird es wohl bleiben, außer Kindeskinder kommen dazu) bei 19 Generationen.
(der Stammbaum wird lesbar wenn man im iexplorer6.0 rechtsunten das Erweitern-Symbol drückt)
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