Geschirr

zitiert direkt aus Karl Haußmann:

Die Altersbestimmung von Baumann-Geschirr

Die Altersbestimmung von Baumanngeschirr ist relativ einfach, wenn man die Herstellungstechniken beachtet, die Emailfarbe und die Firmenmarken am Boden der Objekte.

Josef Mayerhofer erzählt, daß zu Anfang nur unemaillierte und lackierte Eisenbandhenkel an den Emailgefäßen waren. Erst 1883 wurden erstmals für Ausstellungszwecke auch die Griffe und Henkel emailliert. Im Herbst 1883 wurde dann dieses Verfahren generell in die Produktion eingeführt.

Auf sehr alte Herstellung weisen gußeiserne Deckelknöpfe und Knäufe hin, die manchmal in Form einer Eichel gestaltet sind. Hin und wieder sind in der ersten Produktionsphase auch Holzgriffe und Porzellanknäufe verwendet worden.

Das Falzen von Blechteilen wurde vor allem bis Anfang des 20. Jahrhunderts angewandt. Bei Sonderformen und Übergrößen war diese Technik aber noch bis zum 2. Weltkrieg in Gebrauch! Das Schweißen von Feinblechen wurde bei Baumann bereits seit den 80-er Jahren des 19.Jahrhunderts beherrscht, z.B. für die gebogenen Rohrausgießer der Tee- und Kaffeekannen.

Bauchige Gefäße aus einem Stück konnte man ab etwa 1895 herstellen.

Das Nieten zylindrischer Blechteile endete in jedem Fall am Schluß des 19. Jahrhunderts, denn das Tiefziehverfahren war schneller, billiger und besser!

Das Befestigen von Henkeln und Griffen mit Nieten blieb aber bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts üblich. Erst das Punktschweißen ersetzte diese Technik ab 1903.

Einfache Henkel und Griffe aus gebogenem Eisendraht waren lange in Gebrauch, sind aber schon vor dem 1. Weltkrieg ganz durch Hohlgriffe aus eingerolltem Stahlblech ersetzt worden. So gibt es im Katalog von 1913 keine Drahthenkel mehr!

Ergänzende Teile, die nicht emailliert waren, wurden besonders wieder nach dem 2. Weltkrieg eingeführt. So gab es ab den 60-er Jahren am Rand der Töpfe einen abschließenden Chromring. Im Laufe der 70-er Jahre wurden dann auch zunehmend KunstStoffteile verwendet. Die modernen Geschirre der 80-er Jahre hatte fast regelmäßig Griffe und Deckelknäufe aus Kunststoff!

Auch die Emailfarben der Geschirre können Hinweise auf das Alter geben, wie aus dem vorhergehenden Kapitel über die Emailfarben zu ersehen ist.

Die Bodenmarken der Baumann-Geschirre

Soweit es die Form eines Objektes zuließ, wurde meist am Boden der Geschirrteile die Schutzmarke der Firma Baumann angebracht. In den frühen Produktionsphasen wurde die Firmenmarke in der Regel aufschabloniert. In eine Metallfolie war der stehende Löwe mit den Pranken auf der Kanne eingeschnitten. Durch diese Schablone wurde dann weißes oder dunkles Farbemail mit einem harten Pinsel hindurchtamponiert, so daß sich der Baumann-Löwe abbildete und später eingebrannt wurde.

Daneben fanden auch immer wieder Gummistempel Verwendung, vor allen nach dem 2. Weltkrieg. Die Firma Baumann hat häufig und selbstbewußt gemarkt. Dies geschah schon deshalb, um die eigenen Produkte von den minderwertigen Emailwaren der Konkurrenz abzusetzen. Bestimmte Gegenstände allerdings ließen sich nur schwer oder gar nicht marken. Dazu gehören z.B. Backformen, Seiher und Siebe, Reiben, Löffel und Wender, kleine Löffelbleche, Trichter und ähnliche Objekte, deren Oberflächen zu stark gebogen oder zu klein waren, um die Marke noch erkennbar anzubringen. Diese Gegenstände kann man oft nur durch die Kataloge und durch vergleichende Kriterien zuordnen! Eine systematische Übersicht der Baumannmarken wurde bisher nirgends erstellt. So soll hier ein erster Versuch erfolgen, die verschiedenen Marken in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Vorab muß aber klar gesagt werden, daß dem Verfasser sicher noch nicht alle Markenvarianten bekannt sind. Auch die Deutung bestimmter Beizeichen ist teilweise noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Manches kann auch noch gar nicht interpretiert werden! Dennoch läßt sich relativ gut eine ungefähre zeitliche Einordnung der wichtigsten Baumannmarken vornehmen, manchmal sogar auf das Jahr genau! Die Baumannmarken sind hier in Originalgröße auf den Seiten 48 bis 51 abgedruckt und wurden direkt vom Boden der Geschirre abkopiert. Bei manchen schwachen und schwer erkennbaren Marken wurde etwas weiße Farbe zu Hilfe genommen, sofern das für eine klare Wiedergabe nötig war.

M 1: Die älteste Marke war ziemlich groß! Diese Marke findet sich sehr selten und ist wegen ihrer Größe auf kleineren Gefäßen nur verstümmelt zu sehen. Derartig gemarkte Objekte sind in der alten Blechverarbeitungstechnik hergestellt. Die entsprechenden Formen sind im Katalog von 1885 enthalten. Sie dürften also zwischen 1876 und 1884 hergestellt sein!

M 2: In den Verkaufsbedingungen des Kataloges vom Januar 1885 steht: "Mehrfachen Wünschen entsprechend, zeichnen wir in neuerer Zeit unsere Fabrikate mit unserer Schutzmarke in verkleinertem Format." Im Vergleich zu späteren Firmenzeichen ist diese Marke zwar immer noch von beachtlicher Größe,aber sie ist doch erheblich kleiner als das vorhergehende Signet! Diese Marke findet sich auf Objekten in alter Blech-Verarbeitungstechnik, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden, Daß es sich um die entsprechende Marke handeln muß, beweist ein aus zwei Teilen zusammengefalzter Bierkrug mit dieser Marke (s. Abb. S. 30) . 1885 gab es diesen noch nicht im Katalog, wohl aber im Preisverzeichnis von 1892. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde dieser Bierkrug aber aus einem Stück hergestellt. Die Marke M 2 findet sich etwas häufiger als M 1.

M 3: In dem betreffenden Zeitraum wurden der Marke M 2 ein oder zwei große Punkte hinzugefügt. Vermutlich sind das Hinweise auf den Produktionszeitraum. Vielleicht bedeutet es 1. Halbjahr bzw. 2. Halbjahr?

M 4: Bereits vor 1900 scheint die Marke nochmals verkleinert worden zu sein! Dies belegen eine ganze Reihe von Geschirren, die zum Teil noch gefalzt sind und regelmäßig angenietete Henkel und Griffe auf weisen.

M 5: Um 1900 wurde eine (M 4) sehr ähnliche Marke verwendet, die aber nicht mehr zwei, sondern drei Querstriche unter dem Löwen hat und zusätzlich kleine Punkte zeigt. Die Bedeutung der kleinen Punkte kann bisher nicht klar gedeutet werden. Statt der Punkte, deren Anzahl verschieden ist, können auch Strichlein, Halbbögen oder Kreuzchen erscheinen. Diese Marke wurde bis etwa 1903 verwendet. Gegenstände mit dieser Marke haben immer noch angenietete Henkel und Griffe!

M 6; Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden unter dem Löwen zusätzliche Zahlen angebracht. Es finden sich Zahlen in zweistelliger, dreistelliger und vierstelliger Höhe. Viele der so gemarkten Objekte zeigen bereits angeschweißte HenkelGriffe. Deshalb müssen sie nach 1903 hergestellt sein. Durch Abgrenzung von eindeutig späteren Marken läßt sich sagen, daß diese Firmenmarke bis Anfang der 20-er Jahre angebracht wurde, bis etwa 1923, gelegentlich auch später! Die Zahlen geben mit größter Wahrscheinlichkeit das Herstellungsdatum an, wobei die erste Ziffer den Monat und die zweite Ziffer das Produktions jähr angibt. Das Objekt der abgebildeten Marke (M 6) wurde demnach im November (19-)12 hergestellt. Die früheste bisher festgestellte Zahlenkombination ist 94, also September (19-)04. Ein kleiner hoher Kochtopf trägt als lithographierten Dekor Lorbeerblätter und ein "Eisernes Kreuz" mit dem Großbuchstaben "W" und der Jahreszahl 1914. Am Boden dieses Topfes findet sich unter dem Löwen die Zahl 514, also Mai (19-)14. (s.Abb.S.68)
Von den Marken M 5 und M 6 gibt es eine Reihe von Varianten, die zeitlich in die gleichen Produktionsphasen fallen.

M 7: Exportware wurde schon vor dem 1. Weltkrieg mit dem Zusatz "Germany" gekennzeichnet.

M 8; Der Großbuchstabe "L" unter dem Löwen bezeichnet Waren der Blechqualität "Leicht", die nur weiß-weiß emailliert ab 1897 angeboten wurde. Auch noch bei späteren Markentypen findet sich der Zusatz "L"!

M 9: Der Großbuchstabe "E" gibt die Blechqualität "Einfach" an. Die Qualität wurde ab 1903 angeboten und war immer blauweiß emailliert. Geschirre der L- und E-Qualität gab es nur in bestimmten gängigen Formen, die im Anhang der Kataloge angeführt wurden

M10: Diese Marke ist sehr selten! "Extraschwere Geschirre" wurden im Anhang des Kataloges von 1913 angeführt und waren aus besonders starkem Blech gefertigt. Sie wurden 1913 innen wolkiggrau und außen braun geliefert.
Im Katalog von 1929 gibt es diese Ware noch, 1934 erscheint sie nicht mehr.

M 11: Die eigenen Erfindungen der Firma Baumann hatten oft unter dem Löwen den Hinweis auf den Patentschutz "D.R.G.M." für "Deutsches-Reichs-Gesetz-Muster". Eine derartige Marke trugen z.B. "Baumann’s Spardeckel” (s.Abb.S.90) oder der "Pichelsteinertopf" (s.Abb.S.63).

M 12: Diese Marke dürfte gestempelt sein und bezieht sich offenbar auf das Jahr 1921. Diese Variante gibt es auch in kleinerer Größe, die aber meist nur verwischt und undeutlich zu sehen ist. Diesen Markentyp gab es etwa von 1921 bis 1923

M 13; Die Linien dieser Marke werden durch kleine Punkte gebildet , die in die entsprechende Schablone eingestochen sind. Unter dem Löwen sehen wir die Zahl 4-32. Diese Zahl darf nach dem vorhergehenden Schema gelesen werden, allerdings mit einem Unterschied: Die Jahreszahl ist vertauscht, das heißt, daß die Zahl 32 eigentlich 23 bedeutet! Die Zahl 432 bedeutet also April (l9-)23.
Diese Vermutung stützt sich auf den Vergleich mit der nachfolgenden Marke (M 14) und den typischen Marken der 30-er Jahre!
Die Marke M 13 ist selten und dürfte als Vorläufer der Marke von 1924 gelten!

M 14: Eine Punkt-Schablone bildete die Marke für das Jahr 1924. Bei dieser Marke ist regelmäßig eine bewußte Zahlenumstellung zu beobachten! Statt 24 wird 42 angegeben! Offenbar wurde die (vielleicht früher einmal zufällig) vertauschte Ziffernkombination als nützlich erkannt und von da an bis zum 2. Weltkrieg beibehalten!
Die zusätzlichen kleinen Punkte dürften genauere Zeitangaben zur Herstellung sein und geben vielleicht den Herstellungsmonat an.
Diese Marke gibt es auch mit dem Zusatz "Germany". Dadurch wurden Exportwaren gekennzeichnet.

M 15: Ab dem Jahre 1925 erscheint in den Firmenmarken der Schriftzug "Baumann" unter dem Löwen. Der ausgeschriebene Firmenname ist von da an fester Bestandteil der Marke bis zum Konkurs der Fabrik.

M 16: Diese Variante ist bisher nur für das Jahr 1925 nachgewiesen und scheint mit einer besonders feinen Schablone aufgebracht worden zu sein.

M 17: Anstelle von "Baumann" erscheint hier "Germany", wodurch wieder für den Export bestimmte Ware gekennzeichnet wird.

M 18: Der Markentyp mit "Baumarm" unter dem Löwen war mindestens bis zum Jahre 1931 im Gebrauch. Für das Jahr 1932 konnte bisher kein Markennachweis gefunden werden, so daß entweder diese oder die nachfolgend beschriebene Marke Verwendung fand. Die häufig zusätzlich beigegebenen Großbuchstaben können noch nicht eindeutig interpretiert werden.

M 19: Mindestens ab dem Jahre 1933 wurde unter dem Schriftzug "Baumann" auch noch "Prima Qualität" hinzugefügt!

M 20: Die jüngste Jahreszahl unter der Baumannmarke ist bislang 1942. Denkbar sind durchaus noch 1943 und 1944. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde die Produktion wegen   Materialmangel ganz eingestellt!

M 21: Nach dem 2. Weltkrieg wurde offenbar zunächst die vorhergehende Marke weiterverwendet, aber mit einem kleinen Unterschied: Es wurden keine Jahreszahlen mehr angegeben!

M 22: Wohl noch in den 50-er Jahren wurde die Marke dann regelmässig mit Gummistempeln angebracht. Dabei wurde das Erscheinungsbild des Löwen minimal verändert. Die Haare der Mähne, des Schweifes und an den Beinen erscheinen jetzt in spitz zulaufenden Zotteln.

M 23: Dekorierte Waren erhielten zusätzlich eine Angabe der Dekornummer. Die abgebildete Nummer bezieht sich auf einen Scha-blonendekor (s.Abb.S.69 li.u.)

M 24-: In den 60-er und 70-er Jahren wurde anscheinend häufig auf eine eingebrannte Bodenmarke verzichtet. Die modernen Geschirre in den 80-er Jahren trugen dann diese Marke, die in Abziehbildtechnik aufgebracht wurde.

An 1968 wurde dekorierte Ware hergestellt. Anhand von Preislisten und Katalogen kann man die Dekore Jahren zuordnen. Die gut laufenden Dekore sind an längeren Produktionszeiten erkennbar. Die unglückliche Wahl der Dekore trug sicher zum wirtschaftlichen Miserfolg am Ende bei.

 

[Home] [vor 1872] [1872-1878] [1879-1918] [1919-1945] [1946-1969] [1970-1986] [Geschirr] [Bilder] [Wintervilla] [Sommervilla] [Villa Mariahilfweg] [Villa Philosophenweg] [Familientreff]