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Drei Brüder aus Oberfranken werden Amberger Das Ränzlein auf dem Rücken kommt ein Wandersgeselle durch das Wingershofer Tor. Auf dem Holprigen Pflaster liegt ein Hufeisen. “Ein Hufeisen soll Glück bringen” sagt er und hebt es auf. In der Gaststube ist es kühl. Er streckt seine müden Füße unter den Tisch und wartet hungrig auf das Essen. Am Nebentisch sitzen Amberger Bürger, die fröhlich plaudern und ihre Becher leeren. Die sind in ihrer Heimat, denkt der Wandergeselle. Und ich laufe schon zwei Jahre in der Welt herum, auf den langen Straßen durch Böhmen bis hinunter nach Salzburg und wieder herauf über Regensburg bis hierher. Bald aber bin ich wieder in Wunsiedel in meiner Heimatstadt. Dann will ich bleiben und den Wunsiedlern zeigen, was ein rechter Spengler ist und was er in der Fremde gelernt hat. Nach dem Essen geht er zum Eisenhändler Justinger. 10) “Ja freilich, ich kenn dich schon noch”, sagt der Eisenhändler, “ du bist doch der Christian Baumann aus Wunsiedel.” Eine ganze Stunde verplaudern sie. “Bleib doch hier in Amberg.” rät der geschäftstüchtige Kaufmann, “Spengler kann man hier gut brauchen.” Ja, das will der Christian gerne tun. Die Stadt Amberg gefällt ihm und die Leute auch, die so zufrieden aussehen und so freundlich sind. Als er seinen zwei Brüdern 1) in Wunsiedel schreibt, er habe in der Schiffgasse 2) in Amberg ein Haus gekauft und eine Werkstätte eingerichtet, und Arbeit gäbe es für Spengler gerade genug, kommen auch die Brüder Andreas und Georg 3). Damals hatte ein Belgier gerade eine Erfindung gemacht: Man bestreicht das Metallgeschirr mit flüssigem Schmelzglas. Das trocknet und haftet fest am Metall. Der Emailüberzug hält den Rost ab, und er ist so glatt, dass sich das Geschirr leicht reinigen lässt. Freilich, wie man das Schmelzglas herstellt, das war ein Geheimnis. “Wer mir 3000 Gulden 8) auf den Tisch legt, dem verrate ich das Rezept für das Email”, sagt der Belgier. 3000 Gulden, das war damals ein großes Kapital. Die drei Brüder legten alles, was sie erspart hatten, zusammen. Und weil dies noch nicht reichte, verkauften ihre Frauen die goldenen Ringe und Halsketten. 4) Jetzt hatten die drei Brüder das Rezept. Als sie aber die Glasschmelze herstellten und mit dieser einen Blechtopf bestrichen, blieb das Email am Blech nicht hängen. Nun mischten sie die Glasschmelze immer wieder anders. Aber erst nach sieben Jahren gelang Ihnen eine Glasschmelze 5), die fest am Blech haften blieb. Das war eine Freude, als an einem Novembertag im Jahres 1872 9) eine glatt emaillierte Schüssel vor ihnen auf dem Tisch stand Ja das Baumanngeschirr! sagten die Leute und das Wort war lauter Lob. Jetzt waren die Brüder bald nicht mehr Spengler, sondern Fabrikherren. Neue Werkshallen entstanden mit Brennöfen, Ziehpressen und Stanzen. Die Stahlbleche klirrten, die Hämmer dröhnten, die Treibriemen surrten 6). Und in der Packerei standen in langen Reihen die fertigen Emailtöpfe und Schüsseln, fertig zum Verpacken. In der ganzen Welt wurde das Baumanngeschirr gelobt. So fand es seinen Weg in die Schweiz, nach Italien und Griechenland, nach Frankreich und Spanien, nach Russland 7) und in die Türkei, ja sogar hinüber übers Meer nach Amerika.
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